Gemeindeportraits  Eisenhüttenstadt - Von Null auf Hundert in wenigen Monaten Gemeindewachstum einmal anders Bahnhofstraße 12 - 15890 Eisenhüttenstadt Jahrzehntelang    besuchten    zwischen    15    und    30    Menschen    die    Gottesdienste    der    Ev.-Freikirchlichen Gemeinde   Eisenhüttenstadt   (Baptisten).   Die   Gemeinde   in   der   Bahnhofstraße   12   hat   auch   heute   nur   19 erwachsene     Mitglieder.     Doch     nun     sitzen     dichtgedrängt     im     kleinen     Gemeindesaal     bis     zu     50 Gottesdienstbesucher zusammen. Seit Oktober 2010 hat die Gemeinde 11 Taufen durchgeführt. Es   wird   heute   auf   Deutsch,   Englisch   und   Farsi   (Persisch)   gepredigt,   gesungen   und   gebetet.   Die   neuen Gottesdienstbesucher   wollen   mitsingen   und   Zeugnisse   abgeben;   sie   wollen   frei   und   öffentlich   mitbeten. Die   Taufgottesdienste   finden   oftmals   an   einem   privaten   Swimming   Pool   statt.   Aber   auch   im   städtischen Schwimmbad   und   in   der   Gemeinde   Frankfurt   (Oder).   Da   wird   das   Gespräch   großgeschrieben;   man   bleibt noch   lange   hinterher   beisammen.   Doch   im   Laufe   der   Jahre   sind   die   Iraner   in   vielen   Gemeinden   des Landesverbandes   angekommen.   Dadurch   werden   die   Menschen   in   diesen   Gemeinden   getauft   und   nicht mehr in Eisenhüttenstadt oder Berlin-Schöneberg allein. Das   Ganze   begann   damit,   dass   ein   kenianischer Asylbesucher   an   einem   Sonntagvormittag   im   Juni   2009 vor   den   geschlossenen   Toren   der   evangelischen   Kirche   saß.   Ein   Ehepaar   erspähte   ihn   und   nahm   ihn zum   baptistischen   Gottesdienst   mit. Anschließend   erzählte   er   in   der   großen   „Zentralen Aufnahmestelle   für Asylbewerber“ von seinen Erfahrungen. Das brachte die Lawine ins Rollen. Heute   bestehen   die   Eisenhüttenstädter   Gottesdienste   oft   zu   einem   Drittel   aus   Iranern,   Deutschen   und Afrikanern.    Seit    Sommer    2012    leitet    Pastorin    Flor    Abojalady    aus    der    EFG    Berlin-Schöneberg    die persischsprachige   Gemeindegruppe.   Sie   trifft   sich   an   jedem   Samstag   zu   einem   eigenen   Gottesdienst.   In den    Gemeinderäumen    treffen    sich    am    Sonntagnachmittag    auch    russischsprachige    Aussiedler    zum Gottesdienst. Es   stimmt,   dass   sich   aus   juristischen   Gründen   ein   Iraner   christlichen   Glaubens   schwer   in   die   Heimat abschieben   lässt.   Deshalb   wird   auch   gemunkelt,   Iraner   würden   sich   nur   taufen   lassen,   um   den   Fall   einer Abschiebung   vorzubeugen.   Diese   Gemeinde   räumt   ein,   dass   es      in Ausnahmefällen   solche Asylbesucher gibt,   doch   allein   aus   diesem   Grunde   will   sie   die   Arbeit   nicht   einstellen.   Man   könne   nicht   jedem   ins   Herz schauen. Die große Bereitschaft, sich am Gottesdienst zu beteiligen, zeuge vom Gegenteil. Doch   nicht   alle   einheimischen   Gemeindefreunde   fahren   auf   Multi-Kulti   ab.   Auch   deshalb   lassen   sich   ein paar    von    ihnen    nicht    mehr    sehen.    Harry    Sachs,    ein    engagiertes    Gemeindemitglied,    erläutert:    „Die Gemeinschaft   unter   unseren   deutschsprachigen   Gottesdienstbesuchern   leidet   darunter,   dass   wir   abholen und   wegbringen   müssen.   Im   Heim   wird   das   Essen   ab   11.30   Uhr   ausgeteilt;   wir   fangen   um   10   Uhr   an   und müssen   also   um   11.30   schließen.   Und   weil   wir   in   drei   Sprachen   arbeiten,   dauert   eine   20-minütige   Predigt eine   ganze   Stunde.“   Diese   Problematik   federt   man   heute   dadurch   ab,   dass   es   am   letzten   Sonntag   im Monat   keinen   Fahrdienst   und   keine   Übersetzung   gibt.   Dafür   gibt   es   direkt   im   Heim   am   Tag   zuvor   meist einen englischsprachigen Gottesdienst, oft auch mit einem Kinderprogramm.  Als   schwierig   hat   sich   die   Aufrechterhaltung   von   Beziehungen   nach   dem   Abschied   aus   Eisenhüttenstadt erwiesen.   Eisenhüttenstadt   ist   für   Asylbewerber   ein   Durchgangsort   ersten   Ranges.   Dort   halten   sie   sich nur    für    wenige    Monate    bei    der    Aufnahme    auf.    Deshalb    wird    versucht,    Asylbewerber    an    andere Gemeinden   (sie   müssen   keineswegs   nur   baptistische   Gemeinden   sein)   weiterzuvermitteln.   Nicht   in   allen Gemeinden wird den Asylsuchenden mit der notwendigen Aufnahmebereitschaft begegnet. Gemeindeleiter   Richard   Thiele   versichert:   „„Die   Arbeit   mit   Asylbewerbern   darf   nur   ein   Standbein   unserer Arbeit   sein.   Wir   müssen   auch   unsere Arbeit   mit   den   deutschen   Freunden   zum   Fortbestand   der   Gemeinde fortsetzen.“ Bewundernswert   bleibt   jedoch   die   Tatsache,   dass   diese   kleine,   pastorenlose   Gemeinde   Beachtliches leistet.   Vor   einer   solchen   Herausforderung   schrecken   einige   Baptistengemeinden   mit   der   Begründung zurück,   dass   sie   überwiegend   aus   Rentnern   bestünden   -   was   auch   für   Eisenhüttenstadt   zutrifft.   Das große Aha-Erlebnis   lautet:   „Wir   wußten   gar   nicht,   wie   viel   in   uns   steckt.   Gottes   Kraft   ist   in   den   Schwachen mächtig.“    Dieses    Beispiel    zeigt,    dass    sogar    betagte,    einsprachige    Deutsche    mit    Liebe    etwas    unter Ausländern bewirken können. Was   hat   die   Gemeinde   von   diesen   Ausländern   bekommen?   Liebe   und   Zuneigung,   heißt   es.   Es   ist   vor allem   der   vorübergehende   Charakter   des Aufenthaltes   in   Eisenhüttenstadt,   der   die   Gemeinde   zu   schaffen macht.   Gemeindeglied   Kai-Uwe   Ruf   beklagt   sich:   „Das   ist   die   größte   Schwierigkeit.   Du   hast   dich   mit denen angefreundet, und dann sind sie weg. Wir müssen regelmäßig traurig sein und Abschied nehmen.“ Klar   ist:   Wer   eine   kleine,   von   Laien   geführte   Gemeinde   erleben   will,   die   Großes   anpackt,   ist   als   Mitglied hier bestens aufgehoben. Autor: wy    
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