Gemeindeportraits  Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Rathenow eine Gemeinde mit Aussichten Berliner Straße 29, 14712 Rathenow Bei   Freikirchen   geben   die   Mitgliederzahlen   wenig   her   –   sie   sind   kaum   aussagefähig.   Die   EFG   Rathenow hat   offiziell   nur   16   Mitglieder,   doch   am   Sonntagvormittag   gibt   es   zwischen   20   und   40   Besuchern   im Gottesdienst.   In   den   Volkskirchen   gibt   es   Kirchengemeinden   mit   weit   über   tausend   Mitgliedern,   doch   an Sonntagen   weisen   sie   oftmals   leider   noch   weniger   Gottesdienstbesucher   als   diese   auf.   Dabei   ist   es   noch lange   nicht   der   Fall,   daß   auch   alle   16   an   einem   Sonntag   dabei   sind.   Gemeindeleiter   Wolfgang   Schulze weist   darauf   hin,   daß   beim   gemütlichen   „Freitagstreff“,   der   zweimal   im   Monat   stattfindet,   womöglich   nur zwei   oder   drei   Gemeindemitglieder   zu   den   10   bis   15   Besuchern   zählen.   Eine   typische   Erscheinung   der heutigen    Gesellschaft:    Die    Menschen    sträuben    sich    dagegen,    sich    festzulegen    oder    sich    irgendwo verbindlich    anzumelden.    „Gemeinde    besteht    eben    aus    denen,    die    da    sind“,    heißt    es    deshalb.    Wer partizipiert, gehört dazu. Eigentlich   erlebt   diese   Gemeinde   einen   richtigen   Aufschwung   –   man   könnte   sogar   behaupten,   sie   habe ein   zweites   Leben   angefangen.   Als   die   Gemeinde   2011   ihr   neues   Gemeindezentrum   feierlich   eröffnete, hatte   sie   nur   13   Mitglieder.   Im   März   2014,   nach   einem   Vierteljahrhundert   ohne   Pastor,   kam   die   Berlinerin Nicole   Witzemann   als   neue   Pastorin   hinzu.   Man   lebt   fast   ausschließlich   von   Spenden,   und   bei   den Baptisten   geht   man   in   der   Regel   davon   aus,   nur   eine   Gemeinde   mit   nicht   weniger   als   100   Mitgliedern könne   sich   einen   eigenen   Pastor   „leisten“.   Das   macht   Rathenow   zur   kleinsten   Baptistengemeinde   weit und    breit    mit    einem    besoldeten    Geistlichen!    Allerdings    verfügt    Pastorin    Witzemann    nur    über    eine Viertelstelle,   doch   sie   ist   mehr   als   nur   viertelzeitlich   da.   Das   bringt   sich   dann   mit   sich,   daß   auch   die Gemeindepastorin Dienste ehrenamtlich wahrnimmt. Gemeinsam   mit   den   anderen   christlichen   Kirchen   am   Ort   sucht   diese   Gemeinde   nach   den   besten   Wegen, der   wachsenden   Zahl   von   Asylbewerbern   eine   Stütze   zu   sein.   Für   diese   Arbeit   hat   die   neue   Pastorin   ein Herz:   Diese   englischsprachige,   ehemalige   Krankenschwester,   die   auch   Mutter   und   Ehefrau   ist,   hat   als Heranwachsende    10    Jahre    in    Nigeria    gelebt.    Johanna    Schulze,    die    Ehefrau    des    Gemeindeleiters, bedauert,    daß    sich    Asylbewerber    in    der    Regel    nur    befristet    in    der    Stadt    aufhalten,    denn    mit    nur vorübergehend   Anwesenden    kann    man    keine    Gemeinde    mit    Zukunft    aufbauen.    Die    Gemeinde    hilft punktuell   menschlich   wie   sachlich,   aber   fachlich   ist   die   Gemeinde   überfordert,   um   diesen   Ausländern   in der ihnen entsprechenden Art und Weise zu helfen. Pastorin   Witzemann   schafft   der   Gemeinde   auch   an   anderer   Stelle Anschluß   an   die   große,   weite   Welt.   Da sie   über   eine   weitere   Stelle   als   freikirchliche   Referentin   beim   „Ökumenischen   Rat   Berlin-Brandenburg“ verfügt, ist sie in der Großstadt Berlin und darüber hinaus bestens vernetzt. Die   Gemeinde   nimmt   die   missionarische   Aufgabe   unter   den   deutschen   Freunden   und   Nachbarn   sehr ernst.   Herr   Schulze   versichert:   „Wir   haben   uns   immer   wieder   etwas   einfallen   lassen,   um   Menschen   zu erreichen.    Und    es    sind    tatsächlich    viele    gekommen.“    Neben    Bibelstunde,    Frauenstunde    und    dem genannten   Freitagstreff,   bietet   Frau   Schulze   –   der   Jahreszeit   entsprechend   –   Stunden   über   die   Schönheit der   Schöpfung   an.   Dabei   geht   es   u.a.   um   die   pflanzliche   Pflege   von   Kleingärten   und   Wohnungsbalkonen. Es   darf   auch   niemand   überfordert   oder   vor   dem   Kopf   gestoßen   werden;   nur   sanft   und   nicht   konfrontativ sollen   in   den   öffentlichen   Veranstaltungen   Geschichten   aus   der   Bibel   mit   eingebaut   werden.   Pilgerwege in   der   Bibel   und   auch   heute   waren   über   viele   Monate   ein   populäres   und   gern   gesehenes   Thema   in   den Kreisen der Gemeinde. „Manche   haben,   nach   jahrelangen   Besuch   in   einem   unserer   Gemeindekreise,   sich   eine   Bibel   gekauft   und sogar    begonnen,    darin    zu    lesen.    Ihr    fehlendes    Bibelwissen    machen    wir    niemandem    zum    Vorwurf“, versichert   Wolfgang   Schulze.   „Als   Arbeiterstadt   war   und   ist   Rathenow   eine   besonders   ‚rote’   Gegend;   in der DDR gab es bekanntlich keinen Religionsunterricht.“ Zur Geschichte Diese   Gemeinde   besteht   seit   1951   als   offiziell   selbständige   Ortsgemeinde;   im   Jahrzehnt   davor   hatte   sie als     eine     Tochtergemeinde     der     EFG     Berlin-Schöneberg,     Hauptstraße     fungiert.     Die     höchsten Mitgliederzahlen   erlebte   sie   gleich   am Anfang   ihres   Daseins:   rund   170.   Dank   der   ständigen   Wegzüge   und Ausreisen   war   bis   zur   Wende   der   Mitgliederstand   auf   45   zurückgegangen.   Rathenow   war   lange   als Mittelpunkt   der   deutschen   Optikerindustrie   bekannt;   nach   der   Wende   brach   die   örtliche   Industrie   in   der üblichen Art   und   Weise   zusammen.   Die   Lage   außerhalb   des   Berliner   Speckgürtels   und   fern   der Autobahn hat weiter zur Schrumpfung der Stadt beigetragen. Im   Jahre   2008   mußte   die   Gemeinde   aus   ihrer   langjährigen,   gemieteten   Bleibe   ausziehen.   Eine   ehemalige Remise   in   Bahnhofsnähe,   die   acht   Jahrzehnte   lang   als   Wohnung   gedient   hatte,   konnte   erworben   und ausgebaut   werden.   In   dieser   Neuanschaffung   investierte   die   Gemeinde   vieles:   in   ihr   stecken   3.800 Stunden   Eigenleistung   und   rund   200.000   Euro.   Die   Stimmung   in   der   Nachbarschaft   gibt   die   Äußerung eines   Trockenbauers   und   damaligen   Freundes   der   Gemeinde   wieder:   „Entweder   gehe   ich   täglich   ins Fitness-Center,   oder   ich   entscheide   mich,   bei   euch   mit   anzufassen.“   Er   entschied   sich   für   Letzteres   und ließ   sich   2012   taufen.   Das   Ergebnis   kann   sich   sehen   lassen:   Die   neue   Gottesstätte   verfügt   über   Platz   für 100   Besucher,   eine   Küche   und   eine   völlig   neue,   komfortable   Gästewohnung   im   ersten   Stock,   die   von Feriengästen genutzt werden kann. Diese   neue   Kapelle   befindet   sich   in   der   Berliner   Str.   29,   keine   10   Minuten   Fußweg   vom   Bahnhof   entfernt. Es gibt meistens stündlich Regionalbahnen von und nach Berlin. Sie   finden   weitere   Informationen   auf   der   Webseite   des   Bundes   der   EFG:   www.baptisten.de “,   sowie seines    Landesverbandes    in    Berlin    Brandenburg:    „baptisten-bb.de“.    Das    Ehepaar    Schulze    hat    die Telefonnummer:   +49   03385   510145,   „mail@w-und-m.de“;   Pastorin   Nicole   Witzemann:   +49   176   5514 5493. Die eMail-Anschrift der Pastorin lautet: NicoleWitzemann@web.de  . Willkommen!   Die   Gemeinde   freut   sich   über   jeden   Besucher.   Der   Gottesdienst   beginnt   sonntags   um   10 Uhr. Autor: wy    
Gemeindehaus Rathenow
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Ehepaar Schulze
Pastorin Witzemann
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