Gemeindeportraits  EFG Steglitz – eine Gemeinde nicht nur für Bürgerliche Rothenburgstr. 12a-13; 12165 Berlin Die   Evangelisch-Freikirchliche   Gemeinde   Berlin-Steglitz   versteht   sich   als   eine   bürgerliche   Gemeinde. „Jedenfalls“,   so   Pastor   Dr.   Matthias   Walter,   „kommen   die   prägenden   Personen   in   der   Gemeinde   aus diesem   Milieu,   aus   dem   Bildungsbürgertum“.   Doch   Walter,   der   seit   2007   in   dieser   Gemeinde   dient,   fügt sofort   hinzu,   dass   „man   nicht   Abitur   haben   muss,   um   bei   uns   glücklich   zu   werden.   Unsere   Mitglieder kommen   aus   einem   ganz   breiten   Spektrum.   Doch   wir   sind   sehr   wach,   was   das   Zeitgeschehen   angeht. Wir   lassen   auch   den   eigenen   Glauben   kritisch   hinterfragen.   Wir   möchten   ‚gegenwärtig   in   der   Zeit   sein‘, und diese Haltung immer wieder an der Bibel ausrichten.“ Angesichts   dieser   Haltung   ist   es   nicht   verwunderlich,   dass   diese   1899   gegründete   Gemeinde   einmal   im Monat   ein   „theologisches   Nachtgespräch“   für   kritische   Zeitgenossen   anbietet.   Dabei   werden   umstrittene politische   und   theologische   Themen   angesprochen.   Ein   Abend   im   Jahre   2014   befasste   sich   mit   der Behauptung   des   Theologen   Gerd   Lüdemann:   „Jesus   ist   im   Grab   verwest.“   „Wir   denken   ein   bisschen gegen   den   Strom“,   versicherte   Dr.   Walter.   „Es   geht   um   die   Rolle   des   Christentums,   das   Schriftverständnis und Zeitgeschehen“. Die   EFG   gehört   zu   den   wenigen   evangelisch-freikirchlichen   Gemeinden   Berlins,   die   weiterhin   über   ein funktionierendes   Bibelgespräch   verfügen.   Es   findet   jeden   Mittwochabend   um   19.45   statt   nach   einem Abendgebet,   das   um   19.00   Uhr   beginnt.   Dieses   Abendgebet   läßt   sich   auch   als   Meditation   beschreiben: Es   enthält   viel   Schweigen   –   auch   Körperübungen.   Auch   dieses   Bibelgespräch   wünscht   mehr   als   nur   die traditionellen    Formen    und    Inhalte:    Seine    Teilnehmer    „wollen    sich    auf    einem    relativ    anspruchsvollen Niveau   über   biblische   Themen   unterhalten“.   Verschiedene   Formen   von   Hauskreisen   werden   ebenfalls angeboten. Neben   einem   Gemeindechor   stellt   diese   Gemeinde   auch   den   Proberaum   für   den   1994   gegründeten „Shalom    Chor    Berlin“.    Dieser    Chor    wurde    von    der    Steglitzer    Baptisten    Elisabeth    Liebig    und    dem damaligen     Oberkantor     der     Jüdischen     Gemeinde     zu     Berlin,     Estrongo     Nachama     (1918-2000), geschaffenen.    Er    besteht    heute    aus    ca.    40    Sängern    aus    verschiedenen    christlichen    und    jüdischen Gemeinden.   Sein   jetziger   Dirigent   ist   der   serbische   Kantor   und   Jude   Nikola   David.   Der   Chor   hat   heute eine   relative   lose   Verbindung   zur   EFG   Steglitz;   der   christlich-jüdische   Dialog   dieser   Gemeinde   in   den 90er Jahren wird gegenwärtig nicht aktiv praktiziert. Auf    ihre    Kinderarbeit    ist    die    Gemeinde    besonders    stolz    –    sie    ist    ein    weiterer    Schwerpunkt    der Gemeindearbeit.   Im   ersten   Teil   des   Gottesdienstes   kommen   bis   zu   20   Kinder   nach   vorne,   um   besonders angesprochen   zu   werden.   Zur   Gestaltung   der   Kinderarbeit   gibt   es   eine   professionelle   Halbtagskraft. „Unsere   Kinderarbeit   zieht   junge   Familien   an“,   versicherte   der   Pastor.   „Wir   haben   Kindergruppen   mit   einer großen    Kontinuität.    Wir    geben    uns    große    Mühe    und    Eltern    wissen,    dass    ihre    Kinder    bei    uns    gut aufgehoben sind.“ In    einem    weiteren    Gebäude    auf    dem    Grundstück    gibt    es    einen    Kindergarten    mit    einer    eher    losen Verbindung    zur    Gemeinde.    Doch    Trägerverein    für    den    Kindergarten    ist    die    Gemeinde;    es    gibt gemeinsame öffentliche Veranstaltungen. Auf    den    deutschsprachigen    Gottesdienst    um    10    Uhr    folgt    ein    englischsprachiger    Gottesdienst    der „International   Baptist   Convention“   um   12.30.   Diese   Gemeinde   ist   aber   organisatorischunabhängig   von   der deutschen   Gemeinde.   Er   wird   von   vielen   national-gemischten   Ehepaaren   und   sogar   von   nicht   wenigen Latinos besucht.  Wie   lernt   man   am   besten   die   Gemeinde   kennen   und   Anschluss   finden?   „Der   einfachste   Weg   heißt, einfach   zum   Gottesdienst   zu   kommen“,   antwortete   Pastor   Walter.   Man   kann   leicht   mit   Menschen   ins Gespräch   kommen;   es   gibt   eine   lebendige   Kaffeestube   nach   dem   Gottesdienst.   Man   kann   aber   auch über   die   Homepage   ( www.baptisten-steglitz.de )   Kontakt   zu   uns   aufnehmen.“   Die   genannten   Gruppen unter der Woche sind für Neuzugänge immer offen. Der   Pastor   betont,   dass   auch   anonyme   und   unbekannte   Gäste   höchst   willkommen   sein   –   es   braucht   sich keiner   unfreiwillig   vorzustellen.   „Wir   habe   durchaus   Leute,   die   gerne   zu   uns   kommen   und   auch   gerne wieder   gehen“,   meinte   Dr.   Walter.   „An   dem   Gemeinschaftsangebot   sind   sie   nicht   besonders   interessiert.“ Er   versichert   aber,   dass   solche   Gäste   keine   Zuschauer   seien:   „Sie   partizipieren   und   profitieren   vom Gottesdienst, sie machen mit. Aber dann gehen sie wieder. Das ist auch ganz in Ordnung so.“ Die   Tatsache,   dass   die   Altersgruppe   20   bis   30   Jahre   nur   schwach   vertreten   ist   in   der   Gemeinde,   ist   für den     Pastor     eine     besondere     Herausforderung.     Die    Altersgruppe     zwischen    Abiturabschluss     und Familiengründung   ist   meistens   anderswo   im   In-   und   Ausland   unterwegs.   Doch   der   Pastor   fügt   hinzu: „Gerade wegen der Kinderarbeit kommen Ältere dann wieder zu uns.“ Wegen     des     allgemeinen     Studentenmangels     wurde     am     2.     November     2014     mit     einem     neuen Studentenkreis begonnen – siehe Homepage. Matthias   Walter   räumt   ein,   dass   seine   Gemeinde   keine   wachsende   Gemeinde   sei.   Dennoch   verfüge   sie über    eine    große    Stabilität    und    Kontinuität.    Viele    innerstädtische    Gemeinden    leiden    daran,    dass    die meisten   ihre   Stammmitglieder   irgendwo   im   Grünen   am   Stadtrand   wohnen.   In   Steglitz   ist   das   nicht   der Fall.   Der   Pastor   gibt   an,   dass   70-80%   der   Gemeindemitglieder   in   Steglitz   oder   Zehlendorf   wohnen. Obwohl   die   Kirche   in   der   Rothenburgstraße   12a-13   nur   fünf   Minuten   Fußweg   vom   Rathaus   Steglitz   liegt, befindet    sie    sich    in    einer    Gegend    der    gehobenen    Klasse.    Damit    könnte    der    fehlende    Wegzug zusammenhängen. Autor: wy
Gemeindehaus Rothenburgstraße
Kindertagesstätte
Kinder & Betreuer der Kindertagesstätte
Pastor Dr. Matthias Walter
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